Tag-Archiv für 'computerkunst'

Geshreddert!

Wer das im Taschen-Verlag verlegte Buch „New Media Art“ auf Seite 70 aufschlägt, findet dort interessante Informationen zum laut artfacts etwas in Vergessenheit geratenen Computerkünstler Mark Napier und seinem Shredder 1.0: „Shredder 1.0 leitet den Code, in dem eine Website geschrieben ist, durch ein Perl-Script, ein rudimentäres Programm, das den ursprünglichen Code analysiert und neu anordnet, bevor es ihn den Webbrowser übergibt. Napier verfasste das Perl-Script so, dass die Ergebnisse visuell

immer ähnlich sind – der charakteristische Stil des Algorithmus, der sie produziert. In den verzerrten Logos und Textfragmenten, die übrig bleiben, kann man zwar manchmal noch Spuren des Desingns und Inhalts der Originalseite erkennen, aber die geschredderten Versionen ähneln eher den nicht gegenständlichen Gemälden von Hans Hoffmann oder Gerhard Richter als den glatten Interfaces der Websites, von denen Napiers Kompositionen stammen. Napiers Umgang mit der Net Art reflektiert seinen Hintergrund als Maler; die mit Shredder 1.0 geschaffenen Bilder zeugen von einer großen Sensibilität für Farbe und Form. Hoffmann und andere Vertreter des Abstrakten Expressionismus reduzierten die Malerei auf ihre inhärenten formalen Merkmale, wie die Flächigkeit der Bildebene und die Plastizität der Farbe. Napier lenkt die Aufmerksamkeit auf die grundlegenden technologischen Eigenschaften des Internets, von der Komplexität des Codes bis zur Variabilität von Bildern.“

Das Bild ist übrigens folgende Seite, geshreddert.

Vortragssteno Nake

Diese Woche läuschte ich den Ausführungen des Computerkünstlers und -theoretikers Frieder Nake zum Anlass der Ausstellung „Die Virtualität des Bildes. Frühe Computerkunst der Sammlung Clarissa“ im Sprengel-Museum Hannover. Vielleicht nicht für jeden interessant, habe ich dennoch meine Mitschreibsel sauber abgetippt und stelle sie zur Verfügung.

Zwei Modi der Realität: (1) Aktualität = unterliegt der Physik (2) Virtualität = Möglichkeit der Realität, welche mind. einer physikalischen Dimension (z.B. Gewicht, Masse) entbehrt; dennoch nicht scheinbar!
Höhlenmalereien zeigen, dass Menschen von Beginn an zählen und zeichnen konnten. Der Computer, eine eigentliche Rechenmaschine, wird ab 1963 zum Zeichnen gezwungen = kultureller Schock (weil Urmenschliches vom C. übernommen wird). Kunstanspruch aus der Maschine, hinter welcher Firmen stehen.
Geschichte: Digitale Kunst wird zuerst von Georg Nees in Stuttgart ausgestellt (65), zwei Monate später von A.M. Noll in New York.
Im Computer wird die Idee zum Programm. Die diskrete Maschine soll eine analoge Tätigkeit (Zeichnen) ausführen. Dadurch wird die Zeichnung „verdoppelt“: Sichtbare Oberfläche und eine für den unsichtbare für den Prozessor operationable Unterfläche. Alles existiert verdoppelt (Bsp.: keine Bewegung auf dem Bildschirm (Oberfläche), allerdings rasende Rechenprozesse auf der Unterfläche, im Programm).
Der CKünstler muss versuchen zu denken, was der Computer denken würde, wenn er denken könnte. Menschliche Intelligenz ist offen, die des C.s geschlossen (weiß nur, was ihm beigebracht worden ist).
Heute kommen fast alle „Werke“ aus dem Computer.


Frieder Nake: Polygonzüge (1965)

Georg Nees: Schotter