Archiv der Kategorie 'Bilder, unbewegt'

A Little more

Schonmal habe ich an dieser Stelle Aufnahmen des Surferbwoys Clark Little vorgestellt. Heute ohne langes Blabla fünf weitere.
Viel Spass damit.

Vom Kunstwert

Einige Inhalte des letzten Artikels habe ich weiter in meinem Kopf bewegt. Die dort erwähnte Dokumentation erwähnt Warhol’s, Hirst’s und Koons‘ als vorrangige Spekulationsgegenstände auf dem Kunstmarkt, neustes Betätigungsfeld scheint nun Picasso zu sein. Manch einem mag sich der Zusammenhang zwischen dem polygamen Spanier und seinen angelsächsischen Kollegen nicht gleich erschließen, es gibt ihn aber: Alle vier Künstler kommen über die Masse. Während Picasso einfach noch ein manischer Arbeiter war, der täglich mehrere Kunstwerke produzieren konnte (die syntaktische Anordnung von Kunstwerke neben produzieren ist keineswegs zufällig, sondern soll auf die maschinelle Arbeitsweise Picassos hinweisen, die lediglich in einer verqueren Eucharistiefeier durch die genialische Berührung Picassos den bloßen Gegenstand zum Werk werden lässt. Eine genaue Analyse seines Stils im Zusammenhang mit seiner rasenden Produktion könnte durchaus erhellend auf sein Werkverständnis wirken – hier spricht kein Fan!), verwendete Warhol verschiedene Druckverfahren und auratisierte seine Factory, und mit ihr alles in ihr Produziertes, von wem auch immer es tatsächlich kam. Zu Hirst und Koons mit ihren angestellten ausführenden Künstlern ist es von dort nur noch ein Schritt. Masse also. Eben diese erlaubt innerhalb einer größeren Menge immer wieder neue Spitzenpreise zu generieren, ohne dass der unwahrscheinliche Fall eines Versiegens der Ressource eintritt. Innerhalb dieses beschränkten Feldes relativer Größe lassen sich dann durch geschickte Positionierungen, Absprachen, etc. immer neuen Werken immer neue Werte zuweisen, bis man auf ein neues Feld (meint: neuen Künstler) springt. Wie in der empfehlenswerten Ausstellung Macht zeigen. Kunst als Herrschaftsstrategie schlüssig gezeigt wurde, nutzen Banken Abstrakte Kunst schon länger als Chiffre für abstrakte Finanzgeschäfte, bzw. als Ausweisung ihrer Deutungshoheit über beide. Nach einer eventuellen Eindämmung abstrakter Finanzgeschäfte könnte Kunst zur neuen Währung auf diesem Feld verkommen.

Katzengoldrausch

Vielleicht hat ja jemand seinen Samstag damit verbracht, die unglaublich geistreiche Doku von Ben Lewis „Die Millionenblase. Zerplatzte Träume am Kunstmarkt“ zu schauen. Dass der Kunstmarkt in den vergangenen 20 Jahren pervertierte, ist wohl für kaum jemanden neu. Die Gründe dafür, und um diese geht es Lewis vorderhand, vielleicht schon.
Lewis zieht einen Vergleich zur Finanzwelt, mit dem Ergebnis, dass Kartellbildung und Emissionsgeschäfte in der Kunstszene alltäglich sind und keine Verfolgung nach sich ziehen. Die Spekulanten haben sich das richtige Operationsfeld gesucht, denn im Gegensatz zu Feldern des Gebrauch-

mittelmarktes (Öl- oder Sojamarkt) ist die Ressource „Moderne Kunst“ (Begriff lässt sich beliebig ersetzen durch einen z. Zt. hoch gehandelten Namen) nicht verknappt. Das Gegenteil ist der Fall: Tausende „Künstler“ produzieren, jeder von ihnen kann potentiell für den Markt interessant (gemacht) werden, und diese können nahezu unbegrenzt „Kunst“ produzieren – Leute wie Damien Hirst und Jeff Koons tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie weltweit mehrere „Ateliers“ mit unglaublich vielen Angestellten unterhalten. Die Begriffe sind schwammig in diesem Feld, immer schon gewesen, ist doch eine strukturelle Offenheit für Kunst konstitutiv und garantiert auch ihre Entwicklung. Finanzjongleure wissen das für sich zu nutzen, wie Lewis einleuchtend aufzeigt, und bringen auf dem Kunstmarkt das System der Hedge-Fonds durch. Traurig.
Aber seht selbst

Hauser nicht zu vergessen…


Kürzlich habe ich mit dem Schriftsteller Heinrich Hauser eine wunderbare (Wieder-)Entdeckung gemacht. In „Donner überm Meer“ von 31 (übrigens keine Reportage, wie der Wikipediaartikel behauptet) begegnete mir eine Schreibe, die durch sämtliche Markierungen der Literaturwissenschaft zu dieser Zeit – Neue Sachlichkeit, Innere Emigration, Magischer Realismus, Technizismus -schlüpft, fast schon postmodernes Erzählen vorweg nimmt. Darüber hinaus tat sich der 55 verstorbene Hauser auf dem Feld der Fotografie, dem Film, aber auch engagierter (z.B. „Schwarzes Revier“) und hypertextueller Literatur („Gigant Hirn“) hervor. Weitgehend vergessen ist Hauser heute, was eventuell darauf zurückgeführt werden kann, dass er 33 seine Verleger, die jüdische Familie Fischer, zwang, die Reportage „Ein Mann lernt fliegen“ mit einer Widmung an den schmierigen Nazi Göring zu versehen. Im Unterschied zu Schmitt, Heidegger, Jünger und Benn hat Hauser trotz seiner relativ frühen Absage an den NS nach dem Reich jedoch keine bedeutende Rolle im deutschen Kulturbetrieb einnehmen können.
An dieser Stelle sei vor allem auf Hausers Fotos hingewiesen, die sich sehr schön zu den Arbeiten von Bernd und Hilla Becher in Beziehung setzen lassen. Anbei einige Duftmarken.

Auf engstem Raum

Nein, nicht um Fußball soll es in diesem Artikel gehen, zumindest nicht direkt. In der aktuellen Ausgabe des selbstbezeichneten Magazins für Fussballkultur, 11Freunde, findet sich nämlich ein Dossier (manch einer würde wohl „Essay“ sagen), dem auch solche, denen sich die Faszination dieses Sports nicht erschließt, etwas abgewinnen können. Gemeint ist der Artikel „Fußball & Fotografie“ des Niederländers Hans van der Meer. Hierin schildert van der Meer, wie ihm Ende der Achtziger ein Archivar 70 Jahre alte Aufnahmen von Fußballspielen zeigte: „Was unmittelbar auffällt, ist die Räumlichkeit in den Bildern. Diese Fußballfotos stehen in großem Kontrast zu jenen Nahaufnahmen von Spielern im Duell um den Ball, wie sie heute schon lange die Zeitungen füllen. Bei denen man meistens keine Ahnung hat, wo die Spieler sich auf dem Platz befinden, was gerade passiert ist und noch passieren könnte. Auf diesen alten Totalen sah ich zwei elementare Dinge, die bei den Nahaufnahmen von Fußball fehlen: eine erkennbare Spielsituation auf dem Platz und ein Blick auf die Welt dahinter.“ Ein Befund dem durchaus zuzustimmen ist, sehen wir uns heuer doch Close-Up’s mit Bildunterschriften wie „…Verein x hatte in y wie a hier im Duell mit b einen schweren Stand“ ausgesetzt, durchaus kein unerklärliches Phänomen, wissen wir doch seit


McLuhan, dass die Funktionen von Vorgänger- in Nachfolgemedien aufgenommen werden. Diesen Schluss zieht auch van der Meer: „Irgendwo zwischen dem Ende der Fünfziger und dem Beginn der Sechziger des letzten Jahrhunderts ist die Übersicht aus der Fußballfotografie verschwunden. Das ist in den Archiven gut zu verfolgen. Der Wendepunkt fällt mit der Phase zusammen, in der das Fernsehen aufkommt. Dazu ermöglichen technische Entwicklungen wie schnellere Filme und längere Objektive den Fotografen, das gesamte Spielfeld zu erreichen. Von da an wird nur noch auf die Spieler gezoomt. Das wichtigste fotografische Mittel, der Standpunkt, wird endgültig den Kameras überlassen.Das Fernsehen mal wieder! Es enthebt die Fotografie der Funktion das Spiel zu erklären, sie muss lediglich das Spiel in einem Bild abstrahiert zusammenfassen. Das indexikalische Verhältnis der Fotografie zur Lebenswelt wird zwar nicht zurückgedrängt, allerdings stark symbolisch aufgeladen. Auch, so van der Meer, fehle auf solchen Close-Up’s „der Blick auf die Welt jenseits der Linie.“ Dies sei deswegen bemerkenswert, da die faktischen „parallele Realität des Spiels zwischen den Linien und einer Außenwelt“ in der Nahaufnahme aufgelöst wird, Immersion stattfindet: „Auf dem Platz herrscht die Vorstellungskraft, und drum herum ist die unentrinnbare Wirklichkeit, die sich nichts davon annimmt, Mit dem Verlassen des Stadions nach einem mitreißenden Spiel erfahren wir eine ähnliche Rückbesinnung wie beim Verlassen eines Kinos. “ Diese Immersion zitieren die heutigen Fußballfotos mit ihrem aufgelösten Standpunkt an, während die ältere Technik eher an epische Malerei anlehnt und verstärkt an die Vorstellungskraft appelliert. Beides hat Vor- und Nachteile, allerdings funktionieren van der Meers Bilder auch außerhalb des Kontextes der aufgenommenen Spielpaarung, was die Hängungen von Hans van der Meer im Kröller-Müller-Museum belegen.
Mehr zum Thema lest ihr in besagtem Magazin, welches auch in jeder Ausgabe ein doppelseitiges Foto des besagten Fotografen abdruckt.