Archiv der Kategorie 'Belange'

Loveparade

Nachricht von: Martin, 24-Jul-10 18:09
Ey Kalle passt auf euch auf! Massenpanik mit 10 toten und massig verletzten! Tv Übertragungen werden jetzt abgebrochen!

Nachricht von: Jasper, 24-Jul-10 19:20
M*****, höre gerade von dem Vorfall. Wenn es dir gut geht, schreib mal bitte kurz!

Nachricht von: Dario, 24-Jul-10 19:20
10 tote 15 verletzt. An dem Tunnel an der Autobahn. Hoffe Dir gehts gut und halt dich da fern

Nachricht von: Jan, 24-Jul-10 19:20
Massenpanik auf der loveparade 10 tote 100 verletzte!! Alles klar bei euch ? Gruß jan

Nachricht von: Jan, 24-Jul-10 19:59
Gut viel Spaß und fette Party noch!!!

Nachricht von: Julia, 24-Jul-10 21:54
Gut, hab erst nach der sms davon gelesen. Hoffe ihr hättet Spaß. Kuss Honey

Nachricht von: Papa, 24-Jul-10 23:40
Dir/Euch ist nix passiert hoffentlich….Schreib mal zurück

Nachricht von: Raphael, 25-Jul-10 00:09
Hey krass was passiert ist… ich hoffe dir gehts gut mann

Nachricht von: Dario, 25-Jul-10 00:34
Supi hab die live übertragung gesehen

Nachricht von: Alex, 25-Jul-10 01:07
Hi M*****, Jaspi hat mir erzählt, daß du heute auf der Loveparade warst und dir zum Glück nichts passiert ist.Sehe die ganze Zeit diese Berichte und hoffe du bist gut aus dem Chaos heraus gekommen!Liebe Grüße aus G********, Alex

Nachricht von: Federico, 25-Jul-10 01:28
Alles gut bei dir?was war denn da los?

Google war gestern – Ecosia heute!

Lange Zeit ist nichts geschehen, währenddessen wurde Google ein Riese, ein Golem, eine megalomane Maschinerie. Ecosia heißt sie, geschaffen uns alle zu retten! Zwar ist die wahrscheinlich bloß die halbe Wahrheit, den mit Yahoo! ist der frustrierte Verlierer diese New Economy-Märchens im Spiel, der sich, dieser Gedanke drängt sich auf, nun taktisch neu aufstellt. Also alles nur eine perfide Marketingstrategie? Der ganze Regenwaldblödsinn eventuell, dass drückt nur auf die Emotionspattern und hat schon bei Krombacher mehr schlecht als recht funktioniert. Allerdings, und das ist ein wirklicher Fortschritt, entstehen bei Ecosia-Abfragen angeblich keine CO2-Emissionen. Wollen wir mal glauben!
Anbei noch das gaaanz tolle Video.

Ecosia: Die umweltfreundliche Suchmaschine from in60seconds on Vimeo.

Hier ist noch ein älterer Artikel der taz zum Thema. Scheinbar nutzt Ecosia also wirklich Ökostrom und greift nicht auf Zertifikate zurück.

Update 29.5.2010: Eine wirkliche Schwäche der Suchmaschine ist natürlich die fehlende Bildersuchfunktion. Nicht dass man jedwede Funktion Googles ebenfalls anbieten sollte, auf Videosuche und Maps kann man sehr wohl verzichten, die Bildersuche hingegen ist schon ein must have. Es wäre schön, wenn auf diesem Feld etwas passieren könnte. Bedingung für eine Aufstockung der Produktpalette ist natürlich immer eine stetige Nachfrage, also suchet, ihr Digital Natives, und ihr werdet finden!

Vom Kunstwert

Einige Inhalte des letzten Artikels habe ich weiter in meinem Kopf bewegt. Die dort erwähnte Dokumentation erwähnt Warhol’s, Hirst’s und Koons‘ als vorrangige Spekulationsgegenstände auf dem Kunstmarkt, neustes Betätigungsfeld scheint nun Picasso zu sein. Manch einem mag sich der Zusammenhang zwischen dem polygamen Spanier und seinen angelsächsischen Kollegen nicht gleich erschließen, es gibt ihn aber: Alle vier Künstler kommen über die Masse. Während Picasso einfach noch ein manischer Arbeiter war, der täglich mehrere Kunstwerke produzieren konnte (die syntaktische Anordnung von Kunstwerke neben produzieren ist keineswegs zufällig, sondern soll auf die maschinelle Arbeitsweise Picassos hinweisen, die lediglich in einer verqueren Eucharistiefeier durch die genialische Berührung Picassos den bloßen Gegenstand zum Werk werden lässt. Eine genaue Analyse seines Stils im Zusammenhang mit seiner rasenden Produktion könnte durchaus erhellend auf sein Werkverständnis wirken – hier spricht kein Fan!), verwendete Warhol verschiedene Druckverfahren und auratisierte seine Factory, und mit ihr alles in ihr Produziertes, von wem auch immer es tatsächlich kam. Zu Hirst und Koons mit ihren angestellten ausführenden Künstlern ist es von dort nur noch ein Schritt. Masse also. Eben diese erlaubt innerhalb einer größeren Menge immer wieder neue Spitzenpreise zu generieren, ohne dass der unwahrscheinliche Fall eines Versiegens der Ressource eintritt. Innerhalb dieses beschränkten Feldes relativer Größe lassen sich dann durch geschickte Positionierungen, Absprachen, etc. immer neuen Werken immer neue Werte zuweisen, bis man auf ein neues Feld (meint: neuen Künstler) springt. Wie in der empfehlenswerten Ausstellung Macht zeigen. Kunst als Herrschaftsstrategie schlüssig gezeigt wurde, nutzen Banken Abstrakte Kunst schon länger als Chiffre für abstrakte Finanzgeschäfte, bzw. als Ausweisung ihrer Deutungshoheit über beide. Nach einer eventuellen Eindämmung abstrakter Finanzgeschäfte könnte Kunst zur neuen Währung auf diesem Feld verkommen.

Katzengoldrausch

Vielleicht hat ja jemand seinen Samstag damit verbracht, die unglaublich geistreiche Doku von Ben Lewis „Die Millionenblase. Zerplatzte Träume am Kunstmarkt“ zu schauen. Dass der Kunstmarkt in den vergangenen 20 Jahren pervertierte, ist wohl für kaum jemanden neu. Die Gründe dafür, und um diese geht es Lewis vorderhand, vielleicht schon.
Lewis zieht einen Vergleich zur Finanzwelt, mit dem Ergebnis, dass Kartellbildung und Emissionsgeschäfte in der Kunstszene alltäglich sind und keine Verfolgung nach sich ziehen. Die Spekulanten haben sich das richtige Operationsfeld gesucht, denn im Gegensatz zu Feldern des Gebrauch-

mittelmarktes (Öl- oder Sojamarkt) ist die Ressource „Moderne Kunst“ (Begriff lässt sich beliebig ersetzen durch einen z. Zt. hoch gehandelten Namen) nicht verknappt. Das Gegenteil ist der Fall: Tausende „Künstler“ produzieren, jeder von ihnen kann potentiell für den Markt interessant (gemacht) werden, und diese können nahezu unbegrenzt „Kunst“ produzieren – Leute wie Damien Hirst und Jeff Koons tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie weltweit mehrere „Ateliers“ mit unglaublich vielen Angestellten unterhalten. Die Begriffe sind schwammig in diesem Feld, immer schon gewesen, ist doch eine strukturelle Offenheit für Kunst konstitutiv und garantiert auch ihre Entwicklung. Finanzjongleure wissen das für sich zu nutzen, wie Lewis einleuchtend aufzeigt, und bringen auf dem Kunstmarkt das System der Hedge-Fonds durch. Traurig.
Aber seht selbst

Nase in den Angelegenheiten

Schon häufig habe ich hier auf das Primat des Auges hingewiesen. Dass dieses keinesfalls eine unverrückbare Tatsache darstellt, machte mir nun Sissel Tolaas deutlich, auf die ich wiederum über Mono-Kultur gekommen bin, die ich an dieser Stelle erneute emphatisch bewerben möchte. Aber zurück zu Frau Tolaas, Geruchskünstlerin („Ich bin im Kunstbereich, weil ich mich nicht entscheiden konnte, wo ich hingehöre. Oder weil die Gesellschaft nicht weiß, wo sie mich hinstecken soll. In der Kunst fragt dich keiner, ob du studiert hast und wo du dich einordnest. Hauptsache, du lieferst Ergebnisse.“) mit Harvard-Professur für unsichtbare Kommunikation. Zwar habe ich die aktuelle Ausgabe noch nicht durch, dafür allerdings ein Interview der Süddeutschen mit eben dieser Person, welches interessante Anknüpfungspunkte bietet:
1.) „Der Geruchssinn kommt immer zuerst. Wir atmen etwa 23.760-mal pro Tag, und mit jedem Atemzug bewegen wir Moleküle, das heißt, jeder Atemzug geht durch die Nase ins Gehirn. Er wird dort zwar bearbeitet – aber wir haben keine Möglichkeit, damit dann etwas in unserem Alltag anzufangen. Die Nase wird in unserer Gesellschaft sozusagen völlig unterschätzt, ihre Ausbildung vernachlässigt.“
Also von wegen Primat des Auges. Vielmehr ist der Geruchssinn kontinuierlich in Betrieb, Erkältungsfälle mal ausgeschlossen. Dass dieser Sinn, wie alle sogenannten „niederen Sinne“, in unserer Gesellschaft marginalisiert wird, leuchtet ein. Warum das so ist, wird leider nicht erläutert.

2.) „Uns bleiben meist nur zwei Wörter, um Gerüche zu beschreiben: etwas riecht gut – oder etwas riecht schlecht. Wir können aber tatsächlich 10.000 Gerüche speichern! Wir haben verlernt zu riechen.“
Die alte Leier, Sprache konstituiert denken. Doch Frau Tolaas hat eine Lösung parat, nämlich…
3.) „Ich bin dabei, eine Sprachsemiotik zu entwickeln, also Wörter zu kreieren, die Gerüche erfassen. Keine europäische Sprache kennt ein solches System. Aber in kleineren Sprachen wie dem Aztekischen gibt es interessante Wörter und Begriffe.“
Ich schließe daraus mal, dass Frau Tolaas dem mit kunstsprachlichen Elementen abhelfen möchte. Ein interessantes Unterfangen, dessen Erfolgschancen meiner Meinung nach knapp bemessen ist, weil…
4.) „Die Industrie verdient an Gerüchen ein Vermögen, die Mode-Industrie verdient ihr Geld am Parfum – und nicht durch die Mode.“
Also, um „Unsichtbares“ zu verkaufen, braucht es eine visuelle Repräsentanz, in diesem Fall eben Mode. Zeichentheoretisch ausgedrückt: Signifikanten an unsichtbare Signifikate zu binden, ohne dass diese wenigstens Ideen („Wahrheit“; „Staat“;…) repräsentieren, scheint mir problematisch. Dennoch, das Phänomen ist interessant und bleibt unter verschärfter Beobachtung.