Archiv für Juni 2010

Shirin Neshat macht in Film!

Nun gut, allzu lang wird dieser Eintrag nicht, aber das Shirin Neshat einen Spielfilm dreht, scheint mir umbedingt erwähnenswert. Hier findet ihr ein Interview zum Thema, unten den Trailer.

Mischehe: Komputer und Cino

Die SZ genießt im deutschen Sprachraum nach wie vor einen exzellenten Ruf. Allerdings konnte sie als S ohne Z – im Netz präsentiert man sich bloß als Sueddeutsche- nie wirklich überzeugen und ließ im allgemeinhin als seriös angenommenen Journalismus der Online-Sparte Spiegel und Zeit uneinholbar vorbei ziehen. Die Gründe dafür sind ebenso deutlich wie sie einfach zu vermeiden gewesen wären: Zwischen den Lesern der analogen und digitalen Ausgabe gibt es erstmal eine deutliche Überschneidung, die sich aber verflüchtigt – und hier wären wir beim Ist-Zustand –, wenn die Inhalte zwischen den Medien krass divergieren. Ein Beispiel: der Süddeutsche-Leser, aus der Print-Ausgabe ein prallgefülltes und gehaltvolles Feuilleton gewohnt, soll sich online im gleichen Ressort durch diverse Rihanna-Bildstrecken klicken. Ergebnis: der Online-Leser orientiert sich anderweitig. Grund: sueddeutsche.de hat, zumindest im Ressort Feuilleton, keine bis kaum Überschneidungspunkte mit der Printausgabe gehabt, einfach weil es keine redaktionelle Überschneidung gegeben hat.
Nun schickte ich mich kürzlich an, nach einem guten Jahr mal wieder bei besagter Adresse vorbei zu surfen und mir ein Bild von der Lage zu machen. Nicht viel hat sich verändert, allerdings fand sich ein sehr interessanter Artikel von Tobias Moorstedt, welcher ebenfalls das für die SZ so schmerzhafte Thema Medientransfer zum Gegenstand hat. Vom Ausgangspunkt der Verfilmung eines Stieg-Larsson-Romans wendet sich Moorstedt der Frage nach der Darstellbarkeit des Hackens und digitaler

Vorgänge allgemein im Medium Film zu. Zwar sei der Hacker „die passende Figur für eine Zeit, in der man ständig Schlagzeilen in der Zeitung findet wie „Chinesische Hacker attackieren Google“ oder „Hacker aus Berlin findet Sicherheitslücken im Mobilfunknetz““, hat allerdings ein dramaturgisches Problem: „Sie kämpft, bricht ein, stiehlt – aber sie bewegt sich nicht. Die Kamera umkreist das geheimnisvolle, dunkle Mädchen – und findet doch keine passenden Bilder für seine zentralen Fähigkeiten.“ Diagnose: „Noch hat das Kino keine wirkliche Ikonographie des Informationskrieges entwickelt […]. Das Klappern der Plastiktastatur kann das Rattern des Maschinengewehrs noch lange nicht ersetzen.“ In der Folge steigt Moorstedt tief in die Motivgeschichte ein, reiht massenweise misslungene Beispiele aneinander, die hier nicht interessieren sollen.
Beschäftigen wir uns mit seinen positiven Beispielen, drei an der Zahl. (1) Brazil von Terry Gilliam mit Robert de Niro in der Rolle des Harry Tuttle bezeichnet der Autor in dieser Hinsicht als einen vielversprechenden Start, mit dem Vorteil, „dass er noch in analog-pneumatische Maschinen hacken durfte, was im Bild recht eindrucksvoll zur Geltung kam – dieses Ausdrucksmittel ist seinen Nachfolgern nun leider genommen.“ (2) The Matrix der Wachowski-Brüder, in der Nachfolge Trons stehend, wo Hacker „den Computer nicht auf der glatten und glänzenden Oberfläche der Betriebssysteme und Programme“ bedienen, sondern „in den tieferen Schichten der digitalen Organismen“ werkeln. Hier scheint der Verfasser seine Vorstellung einer Bebilderung digitaler Prozesse verwirklicht zu sehen, was folgende Formulierung prägnant belegen mag: „Einen Sommer lang träumte das Kino tatsächlich davon, direkt in den grünen Quellcode der digitalen Illusion einzutauchen.“ Moorstedt blendet in seiner Euphorie allerdings die zweifelsohne starke physische Präsenz in Matrix aus. Mit der Matrix haben die Machern in erster Linie treffendes Vehikel entwickelt, digitale Prozesse in Actionhandlung aufzulösen. Dass eine solche Lösung eher Ausnahme denn Regel ist, zeigt Beispiel (3), Die Hard 4, in dem Bruce Willis und ein Hacker zu gleichen Teilen Terroristen bekämpfen. Die Essenz dieser Teambesetzung ist wohl, ein Bruce Willis allein ist nicht mehr die entsprechende Repräsentanz zeitgenössischer Verbrechensbekämpfung, sie ist durchweg anachronistisch. Allerdings ist er für den Zuschauer unersetzlich, da er die digitalen Aktionen des Hackers in digitale, physische Action überführt, übersetzt. Ein weiteres Beispiel für diesen Fall wäre Password: Swordfish, in dem das physische Eindringen in die Weltbank parallel zum reinhacken verläuft. Irgendwie, so scheint es, muss die abstrakte Welt des digitalen materialisiert werden. Ein Versuch, der meines Erachtens noch kaum versucht worden ist, mag jener der Kausalität beider Welten sein. So oder so, das Arbeitsfeld gilt es mit Spannung zu beobachten – ebenso wie die Webpräsenz der SZ.