Gagagugugogogähn

Wer braucht schon das CERN, wenn man auf dieser Website jederzeit beobachten kann, wie zwei Teile in Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen werden. In der taz lesen wir folgendes: „2008 verzeichnete das Statistische Bundesamt erstmals über 150.000 Fernsehgeräte weniger als im Vorjahr. Vor allem bei jungen Menschen geht die tatsächliche Sehdauer drastisch zurück: 2004 sahen nach einer Untersuchung von Goldbach Media Menschen zwischen 12 und 29 noch 103 Minuten am Tag „klassisch“ fern – 2009 waren es nur noch 84 Minuten. Gesehen – und in großem Umfang selbst gemacht – wird trotzdem immer mehr: Im Internet.“ Ein alter Hut zugegebenermaßen, allerdings stieß ich dann auf das Video zu „Telephone“, welches in Stil, Länge und Inhalt niemals eine auf das Medium TV zugeschnitten war. Zugegeben, dieses Phänomen hat es auch zu Hochzeiten des Musikfernsehens gegeben, indem man in einer avantgardistischen Geste symbolisches Kapital aus der Missachtung MTV’s zog oder sich bewusst in das randständige Dasein der verpixelten Ausstrahlung nach Mitternacht schieben ließ. Gaga jedoch ist Mainstream, dieser jedoch ist gemeinsam mit seinem Publikum ins Internet abgewandert. Wie ein avantgardistischer Geist auch dort bestehen kann, zeigen Massive Attack mit „Paradies Circus“, dessen Video ihr hier eben nicht mehr sehen könnt.

Justement stellt sich doch glatt heraus, dass eben dieses Video im Internet nicht mehr auffindbar ist. Das official video im fernsehfreundlichen Format hingegen weist jedoch einige Referenzen an eben jene nun verschwundene Version auf. Also haben wir es hier bloß mit einem viralen Marketinggag zu tun, dessen Stoßrichtung doch auf’s TV zielt – und dem ich direkt mal auf den Leim gegangen bin. Ich korrigiere mich daher: Der Mainstream ist noch nicht zur Gänze ins Internet abgewandert, rechnet aber verstärkt mit ihm (ist der Internet ein Mann?). Alles total beschmiert, hoffentlich finden sie am CERN bald das Gottesteilchen, damit wir das alles endlich verstehen können.


Verpokerfacet!