Archiv für Dezember 2009

Janek Schaefer, ausführlich

Aufmerksame Leser haben natürlich gehorsam John Grierson’s Night Mail geschaut und sind nun in der Lage, Bezüge zum Thema des heutigen Eintrags zu ziehen. Vor einigen Tagen nämlich habe ich Janek Schaefer’s Werkschau im Bluecoat besucht und, wie gewohnt, Photos und Eindrücke konserviert. Schaefer’s Kunst lässt sich vielleicht am ehesten mit jener Carsten Nicolai’s vergleichen, zieht man ihre Arbeitsgebiete und Materialien in die Betracht, wobei Schaefer’s Arbeiten stärker mit Bezügen sowie der eigenen Biographie spielen. Am deutlichsten sichtbar wird die thematische Nähe der beiden in der Arbeit Extended Play: ein polnischer Walzer mit biographischem Bezug wird in die drei Stimmen seiner Instrumentierung segmentiert, und diese drei Stimmen auf jeweils drei Schallplatten in unterschiedlicher Geschwindigkeit abgespielt.

Diese Arbeit erinnert stark an den bausatz noto ∞ von Nicolai, spielen doch beide mit der Unvereinbarkeit von Einmaligkeit und Reproduktion innerhalb der Logik des Materials. Ähnliches gilt sicherlich auch für die Variationen von Plattenspielern, die in der Werkschau gezeigt werden.


Ebenfalls beeindruckt hat mich die Arbeit Covers, ein 26 Minuten langes Video, welches Motive verschiedener Plattencover montiert, während die Soundspur Musik aus Samples derselben Platten spielt. Auditive und visuelle Motive verschränken sich oder stoßen einander ab, schaffen etwas Neues aus der zerfasernden Ontologie der Schallplatte – eine Idee so simple wie die Aussage von Schuld und Sühne, zumindest ähnlich durchschlagend. Eine weitere zündende Idee, und hier kommt wie eingangs erwähnt Night Mail ins Spiel, schlug sich in Schaefer’s Recorded Delivery nieder. Der Künstler sandte lediglich ein Päckchen mit laufendem Tonbandgerät an seine Londoner Gallery, das Ergebnis bedeutete eine über 15 Minuten lange Aufnahme des Postweges inklusive Stimmen der Postarbeiter, Radio im Hintergrund, Maschinenlärm und whatever. Die Aufnahme entwirft ein Raumverständnis der einzelnen Stationen, lässt sich also als höchst abstrakte Auseinandersetzung mit Klang und Raum verstehen, verliert jedoch nicht den dokumentarischen Realismus des Grierson’schen Vorgängers aus dem Blick. Genaugenommen kann man von Blick natürlich nicht sprechen, vielmehr hat Schäfer die filmische Idee in ein ausschließlich auditives Medium transponiert.

Ebenfalls ansprechend fand ich das Inner Space Memorial von Schaefer. Die Lautsprecher inwendig montiert sendet es durchdringende Sinustöne aus, das Ganze einem Kriegerdenkmal ähnlich aufgebockt. Das Memorial ist eine Referenz an den Schrifsteller J.G. Ballard, der in seinen Büchern eine Prosa entwickelt, die nur unzureichend als Science Fiction bezeichnet werden kann. Ballard selbst sprach immer von einem Inner Space, daher die nach innen sendenden Lautsprecher. Was genau mit Inner Space gemeint ist, versteht man durch die Lektüre von The Unlimited Dream Company, der Geschichte des „Fliegers“ Blake, in der auch ein War Memorial eine zentrale Rolle spielt. Nicht vielmehr, aber auch, ist das Inner Space Memorial aber ein denkmal für Ballard selbst, der in diesem zuende gehende Jahr an Krebs verstarb.

Resümierend kann man sagen, die über die hier besprochenen Werke hinausgehende Ausstellung lohnt sich anzuschauen, ebenso wie Nicolai und Ballard auch. Hier noch einige Fotos:


(Blogger‘ Schattenriß)

Fundsache (5)

Campino kann einem schon leid tun! Da versucht er unter Mithilfe Wim Wender’s seiner sonstigen Profession als Berufsjugendlicher zu entfliehen, und dann dies: Die Hosen-Fans lassen sich nicht abschütteln. Und Bock auf Ernsthaben sie mal sowieso nicht.

1.0 von 5 Sternen Palermo Shooting, 9. Dezember 2009
Von L. Jürgen (Allgäu)
Als Fan der Toten Hosen ist ein Film mit Campino ein Muss. Aber es gibt nur eines zu sagen: „Campino, bitte sing weiter und hör auf zu schauspielern!“. Der Film ist einfach flach und langweilig.

1.0 von 5 Sternen Sleepy movie, 6. Juni 2009
Von Robbert Beelen
Hi guys, this is unfortunately one of the worst movies I have ever seen. The only reason I watched it until the end was Campino, since I like his band. Maybe I missed the point but it was all so slow and stupide. Cannot recommend this one. One should probably be better off doing laundry or cleaning the house. Cheers, Robbert

Gefunden bei amazon.de.

Fundsache (4)

Nicht dass wir es nicht schon lange gewußt hätten, aber Männerzeitschriften wie Men’s Health müssen die eigene Unnötigkeit jetzt dringend explizit machen.

Was macht jetzt bloß der Abokunde, der sowohl die Ausgabe vom Oktober 2007 (links), als auch die aktuelle (rechts) gekauft hat? Und wohin mit den ganzen Muskeln?
Gefunden übrigens bei magCulture.com.

Bananengkino: „Night Mail“

Da zurzeit einige Deadlines mit Siebenmeilenstiefeln auf mich zu sprinten, der Blog jedoch nicht leiden soll, habe ich mich entschieden, Kurzfilme zu zeigen. Schriftliches zu diesen im Nachhinein nicht ausgeschlossen. Den Anfang macht „Night Mail“ von John Grierson, ein britischer Dokuklassiker. Film ab!

Weiter mit dem zweiten Teil…

…zu Nummer 3.

Dankeschön. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

Notiz: Harry Brown

Vor einigen Tagen habe ich mir Harry Brown im Kino angesehen. Nun ja, einige ungewöhnliche Einstellungen hat der Film zu bieten, sowie eine toll geschnittene Verhörsequenz. Schwächen ebenfalls, keine Frage. Was mir jedoch von dem Film in erster Linie hängen blieb, war ein nicht zu leugnender Republikanismus, ein Duktus, wie er im amerikanischen Kino vorkommt, im englischen allerdings nicht. Enttäuscht von den Autoritäten macht sich ein ehemaliger Marine selbst zum Gesetz – das ist Western, Clint Eastwood, jedenfalls weit entfernt vom Parlamentarismus made in Britain.

Fazit: Wir sollten einen monokulturellen Matsch unbedingt vermeiden.