1.Mai/Bild/Bellocqed

In der taz findet sich zurzeit ein Bericht über den Prozess an zwei mutmaßlichen Brennsatzschmeißern vom 1.Mai diesen Jahres. Um Missverständnissen vorzubeugen: Steine schmeißen auf Polizisten ist das eine, diese sind zumeist stark geschützt und werden höchstens leicht verletzt, zumindest unverhältnismäßig leicht verglichen mit der Gegenseite; Steineschmeißen lebt eher von der Symbolkraft des Widerständigen. Das Schleudern von Brandsätzen hingegen stellt eine Grenzverletzung dar, die aus einer linken Haltung heraus nicht zu legitimieren ist. Ich war in der Nacht auf den 2.Mai selbst am Kottbusser Tor und eben jener Brandsatz, der eine Frau verletzte, schlug ungefähr 8 Meter neben mir ein. Die Wurfattacke kam ziemlich erbärmlich von weit hinten; bereitwillig wurde in Kauf genommen, die eigenen Leute zu verletzen. Auch darum bin ich für eine Bestrafung der Werfer. Dass allerdings die Richtigen auf der Anklagebank sitzen, darf bezweifelt werden. Die Sichtverhältnisse, auf welche die beiden verbeamteten Zeugen ja angewiesen waren, sind alles andere als gut gewesen. Zudem gab es unmittelbar nach dem Wurf meines Wissens nach keinen Zugriff. Objektive Beweisstücke wären hier allemal angebracht

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Kürzlich bin ich darauf hingewiesen worden, dass wenige Tage nach meinem Artikel über Katja Keßler auf Bild.de eine Photoserie über Google-Doodles stand (und noch steht). Von einer Anklage wegen Mißbrauchs geistigen Eigentums sehe ich großzügig ab.
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Nachträglich betrachtet muss ich mich schon ein wenig für den strategischen Schachzug, eben jenen Artikel über Katja Keßler in Anlehnung an Bellocq mit bearbeiteten Bildern zu versehen, loben. Daraus ist die Idee erwachsen, daraus eine kleine Serie zu starten, Maxim Biller’s Hundert Zeilen Hass visual turned, wenn man so möchte. heißen wir sie Bellocqed. Ich bin mir sicher, wir alle werden viel Freude damit haben.
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Bisky hat noch immer nicht geantwortet.


2 Antworten auf „1.Mai/Bild/Bellocqed“


  1. 1 egal 20. November 2009 um 16:46 Uhr

    natürlich ist die art und weise, wie der hier beanstandete molliwurf gelaufen ist unter aller sau. bei sowas muß noch mehr als schon bei anderen wurfgeschossen drauf geachtet werden, das keine unbeteiligten getroffen werden. deine unterscheidung zwischen mollis und steinen ist allerdings mehr als fragwürdig. mag sein, das es in der brd schon eine ganze weile nicht mehr zu linken militanten protestformen gehört mollis einzusetzen, aber in anderen ländern, wie etwa griechenland, ist das massenhaft auf der tagesordnung. und auch da ist mir kein einziger fall bekannt, wo ein polizist bei sowas gestorben wäre. die anklage wegen versuchtem mord entbehrrt schon deswegen jeder grundlage. denn ob in griechenland oder der brd – die eingesetzten riotcops haben neben ihrer ganzkörperpanzerung eben auch spezielle uniformen und deshalb sieht so ein molli zwar krass aus, kommt aber genausowenig über symbolischen protest hinaus, wie ein stein auf einen wasserwerfer oder so.
    wenn man sich dann noch ein wenig genauer mit dem prozess beschäftigt, wird klar das da auf jeden fall nicht die werfer auf der anklagebank sitzen, sondern zwei jugendliche, die dem ungalublichen fahndungsdruck der berliner behörden zum opfer gefallen sind und denen nun ihr ganzes leben versaut wurde und wird, weil die cops es nicht schaffen die richtigen zu finden. das ist ungefähr so eine sauerei, wie die u-haft für vermeintliche autobrandstifter, bei denen dan regelmäßig der ganze prozeß platzt. da müssen ein paar leute ausbaden, das die staatsGEWALT nicht in der lage ist gegen bestimmte aktionsformen (die ich nicht unbedingt als sinnvoll ansehe) vorzugehen und dafür ordentlich druck von bz, cdu und co bekommen…

  2. 2 X 20. November 2009 um 17:20 Uhr

    Bullen haben eine feuerfeste Uniform an.

    Freiheit für Yunus und Rigo!

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