Idee: Die Superplakette

Man sitzt mit Freunden zusammen, isst was, redet sich in Rage mit folgendem Ergebnis:
Ausgangspunkt unserer Unterhaltung war der Umstand, dass sich die Sportartikelhersteller Adidas und Nike relativ schnell von ihren Kinderarbeitsskandalen und anderen Schweinereien erholt haben, warum das so sein muss und sich nicht ändern lässt. Eingequetscht zwischen moralischen Bedenken, Qualitätsansprüchen und finanziellen Zwängen können und wollen viele Konsumenten sich den Luxus der Bedenken nicht gönnen, zumal ein solcher auch mit großem Eigenanteil z.B. an Recherche verbunden ist. Dem könnte man vorbeugen durch eine Plakette, ähnlich wie sie von Produkten aus fairem Handel bekannt ist, nur dass diese nach festgelegten wirtschaftsethischen Gesichtspunkten von einem Konsortium aus Gewerkschaften und Sozialverbänden verliehen werden würde. Das Logo sollte simpel und sofort verständlich sein – spontan fiel uns ein Smiley ein. So weit, so gut, es bleibt das Problem, dass kein einziger der Konzerne mit dreckiger Firmenpolitik seine Produkte mit einer solchen Plakette ausstatten würde, da Einflußnahme von außen zu befürchten wäre. Somit würde allerdings eine Breitenwirkung verfehlt, was auch hieße, dass Plakette ja oder nein Jacke wie Hose wäre, die Plakette keine Relevanz hätte und somit keinen Druck auf schmutzig werkelnde Unternehmen ausüben könnte. Dann jedoch kam uns die Idee, dass Unternehmen sich jederzeit gerne auszeichnen lassen, wenn es dem Umsatz zuträglich ist. Als Bio in wurde, prangte uneinheitliche Bio-Embleme von allen Produkten – der Kunde hat’s gewollt. Ähnlich verhält es sich mit den Gütesiegeln, die Stiftung Warentest ausgibt, auch diese kleben Unternehmen bereitwillig auf ihre Produkte. Sollte es also gelingen, eine Plakette zu etablieren, die in irgendeiner Form ökologische Nachhaltigkeit (Bio, andere Kriterien), Wertigkeit und verantwortungsvolle Wirtschaft (dies müsste allerdings weit über Fair Trade hinausgehen) in einer sinnvollen Zusammensetzung (ökologische und wirtschaftsethische Gesichtspunkte sollten der Wertigkeit unbedingt übergeordnet sein) vereint, könnte ein Gros der Unternehmen diese Plakette annehmen.
plan
Die einzelnen Ressorts würden unabhängig von ihrer Arbeit weiter bestehen und arbeiten können (ein neuer Opel kann ja im Crashtest gut abschneiden und vom ADAC Bestnoten bekommen, aufgrund unverhältnismäßiger Massenentlassungen hingegen die Plakette nicht erhalten), ihre Ergebnisse aber prozentual in einen Plakettenreport einfließen lassen. Die Plakettenkomission die Ergebnisse der einzelnen Interessenverbände zusammentragen, daraus resultierend viertel- oder halbjährig Berichte vorlegen, wem die Plakette warum entzogen oder ggf. verliehen wird. Zudem könnte die Kommission die Richtlinien zur Vergabe der Plakette verschärfen (allerdings nicht abschwächen, um Lobbyarbeit zu verhindern), worauf die Wirtschaft dann in einem gegebenen Zeitraum (ungefähr ein Jahr) zu reagieren hätte. Die Zusammensetzung der Kommission aus Umweltgruppen, Sozial- und Verbraucherschutzverbänden würde deren Unabhängigkeit garantieren und eine Negativentwicklung wie beim Biosiegel verhindern. Eine solche Plakette, dies verdient einen gesonderten Hinweis, wäre jedoch nicht unter wirtschaftsethischen Voraussetzungen allein sinnvoll, auch der Umweltschutz würde gewinnen. Denn auch wenn Umweltverschmutzung kein Luxusproblem ist, kommt mit Brecht immer erst das Fressen, dann die Moral. Erst ab einem gewissen Lebensstandard kann man sich Umweltschutz erlauben, einen solchen für jedermann zu gewährleisten ist notwendige Bedingung für das Erreichen des Primärziels Umweltschutz. tbc.

Fühlt euch frei diese roh skizzierte und unausgereifte Idee zu verbreiten, zu diskutieren und zu verbessern. Vielleicht wird ja was draus.